Geschichte

Gemeinschaft in der Jugend leben

Unsere KjG Geschichte

Rückblick auf die Tätigkeit
der katholischen Mannesjugend in Muggensturm

Muggensturm entwickelte sich um die Jahrhundertwende von der rein bäuerlichen – zur Industriegemeinde. Viele Männer und Jugendliche arbeiteten in Betrieben der umliegenden Städte, was den Wohlstand der Familien förderte, Die Schattenseiten der „Fabrikluft“ machten sich besonders bei der Jugend bemerkbar. Um diesem Geist entgegenzuwirken und der Jugend einen Rückhalt zu geben, wurde unter dem Ortspfarrer Schatz am 5. 11. 1911 im Gasthaus „Zum Hirsch“ der Katholische Jugendverein gegründet. Kaplan Bierlox wurde zum Präses ernannt. 27 Jugendliche traten der Vereinigung bei. Es entwickelte sich eine rege Tätigkeit, die sich in Versammlungen, Theaterspiel, Gründung eines Pfeifer und Trommlerorchesters und einer Fußballabteilung zeigte. Das Geräteturnen wurde gepflegt.

Das Jahr 1914 brachte eine jähe Änderung. Kaplan Bierlox, der sich großer Beliebtheit erfreute, wurde nach St. Georgen versetzt, und auch Pfarrer Schatz nahm Abschied. Im August desselben Jahres begann der erste Weltkrieg. Die älteren Jungmänner wurden zum Militärdienst eingezogen. Auf Kaplan Biehler und Pfarrverweser Stiefel folgte 1916 Pfarrer Georg Dussel als Präses, der mit viel Idealismus die katholische Jugend führte.

Nach dem Weltkrieg gab man sich den Namen Jungmännerverein.

Die Sportabteilung DJK (Deutsche Jugendkraft) hatte in den 20er Jahren im Geräteturnen und in der Leichtathletik beachtliche Erfolge. Das erste große Turnfest des Gaues Mittelbaden im Jahre 1921 wurde von der DJK Muggensturm durchgeführt.

Im Jahre 1923 war Fahnenweihe. Auf der von einer Kunststickerei in Biberach hergestellten Fahne war der selige Bernhard von Baden abgebildet.

Der rührige Präses, Pfarrer Dussel, erwarb eine alte Scheune. Unter großen Opfern hat man sie zur Bernhardushalle umgebaut und im Jahre 1928 eingeweiht. Neben einem großen Veranstaltungsraum mit Bühne waren zwei kleinere Räume für Versammlungen und Gruppenstunden, sowie eine Kegelbahn eingebaut. Dort entwickelte sich trotz der großen Arbeitslosigkeit ein reges Vereinsleben. Neben Turnen und Kegeln fanden Versammlungen, Tagungen, Exerzitien, Theateraufführungen und Gruppenstunden statt.

Pfarrer Georg Dussel starb am 24. 10. 1934. Ihm folgte Pfarrer Josef Rothenbiller.

Die Zeit ab 1933 war stark von äußeren Einflüssen geprägt. Der Verein hatte zu der Zeit verschiedene Abteilungen. Die Gruppen wurden nach Jahrgängen eingeteilt. Die Jüngeren (9/10-14 Jahre) waren die „Jungschar“, deren Aktivitäten stark vom Spiel geprägt waren. Die „Jungenschaft“ (14-18 Jahre), aus der heraus sich dann die „Jungmänner“ (18-25 Jahre oder Heirat) bildeten, hatten verschiedene Schwerpunkte in ihrer Arbeit.

Da gab es die Abteilung Sport (DJK), in der in den Disziplinen Turnen, Handball, Fußball, Leichtathletik und Tischtennis sehr gute Ergebnisse erzielt wurden bei Vergleichen mit anderen Gemeinden. Man fand auch viel Freude am Wandern. Weitere Schwerpunkte waren: Musizieren (Gitarre, Mandoline, Blockflöte und Mundharmonika); Theaterspielen – jedes Jahr wurde ein neues Stück aufgeführt. Elternabende wurden veranstaltet. Viele neue Lieder hat man gelernt und gesungen. Liederbücher wie das „Gelbe Singeschiff“, das „Graue Singeschiff“ und der „Singsang“ boten ein reichliches Repertoire an.

Das religiöse Leben kam nicht zu kurz. Die Gemeinschaftsmesse, gemeinsame Kirchgänge mit Kommunion waren eine Selbstverständlichkeit. Unvergesslich waren Exerzitien in Neusatzeck und Einkehrtage daheim, u. a. mit Diözesanpräses Walter, der später als Militärpfarrer in Stalingrad fiel. Ihn verehrte die Jugend sehr, und das oft „lästige“ Beichten war bei ihm eine innere Erleichterung. Vor Versammlungen wurde ein Bibeltext gelesen. Auch Bibelabende fanden statt. Daneben gab es allgemeinbildende Vorträge. Daraus ergaben sich wertvolle Anregungen für ein sinnvoll gestaltetes Leben. Die jungen Menschen erhielten eine christliche Orientierung.

All diese Aktionen waren in dem Begriff „Lebensschule junger Christen“ zusammengefasst.

Die Zeitschriften „Junge Front“, später „Michael“, „Die Wacht“ und „Der Scheideweg“ (für die Jüngeren) boten geistiges Rüstzeug. Man darf ohne Übertreibung sagen, dass Besseres an Qualität während der Nazizeit nirgends geboten wurde. Eines Tages kam für alle Zeitschriften ein Verbot heraus.

Ein Höhepunkt war das erste große Zeltlager in der Zeit vom 21. bis 29. Juli 1934, das unter schwierigen Bedingungen (z. B. Transport der Jungen mit Lkw, geringes Finanzpolster für Essen etc.) am „Knappen Eck“ auf dem Solberg bei Allerheiligen durchgeführt wurde.

Die ganzen Aktivitäten wurden von den Präsides dieser Zeit mit angestoßen und begleitet. Außer den Herren Pfarrern und Kaplänen wurde der Verein ideell und organisatorisch hauptsächlich von Mitgliedern der „Sturmschar“ geleitet. Sie waren quasi Aushängeschild der Kath. Jugend und wurden von vielen innerhalb der Jugend und von Außenstehenden als Vorbilder betrachtet, woraus sich eine sehr große Verantwortung ergab. Deshalb waren die Mitglieder dann auch Zielscheibe für Angriffe jeglicher Art.

1936 feierte man in einem bescheidenem Rahmen das 25jährige Jubiläum.

Zu dieser Zeit wurde der Druck von „außen“ durch die Nazis schon immer deutlicher. Sie störten Veranstaltungen, oder es gab sogar offenen Streit. Deshalb wurde es auch immer schwieriger, Gruppenstunden und Treffen abzuhalten. Von Staatsseite aus mussten sämtliche Vereine aufgelöst werden. Sämtliche Turngeräte, Bücher, Geld usw. wurden eingezogen. Die Fahnen und Banner wurden selbst unter den Drohungen der Gestapo nicht abgegeben, sondern in der Kirche, die immer noch einen gewissen „Freiraum“ darstellte, versteckt. Im Turm der Kirche hielt man dann auch die verbotenen Treffen und Gruppenstunden ab. Nachrichten mussten durch Mitglieder in andere Gemeinden überbracht werden. Denn gerade auf Dekanatsebene war Muggensturm die größte und aktivste Jugendorganisation. Aus Muggensturm kamen zu dieser Zeit der Dekanatsjugendseelsorger, Kaplan Maier, und der Diözesanjungscharführer, Arthur Knapp. Es war bestimmt die bisher schwerste Zeit in der Geschichte der Kath. Jugend Muggensturm, was den Druck und die Demütigungen von außen anging, doch vielleicht war auch gerade das Schwere der Zeit der Grund dafür, dass Begriffe wie Zusammenhalt, Kameradschaft und vor allem Glaube (eben die Ziele dieser Jugendarbeit) einfach empfunden und gelebt wurden.

Im Jahre 1935 wurde die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Mit geringen Ausnahmen wurden alle Jungmänner zum Militärdienst eingezogen. Selbst Mitglieder, die eingezogen waren, hielten durch Briefe, die an Pfarrer Rothenbiller geschrieben und oft auch im Kirchenblatt veröffentlicht wurden, den Kontakt zu den anderen Jungmännern. Im 2. Weltkrieg 1939/45 starben viele Mitglieder im Feld oder kehrten verwundet oder mit einer Krankheit zurück.

Kirchliche Organisationen durften nach dem Kriege auch als erste wieder mit der „normalen“ Arbeit beginnen, und der teilweise Neu- und Wiederaufbau konnte angepackt werden.

Im Herbst 1946 trafen sich die heimgekehrten früheren Mitglieder und wählten einen neuen Vorstand. Pfarrer Rothenbiller und die damaligen Kapläne hielten bei den Zusammenkünften Vorträge. Man legte auch Wert auf Pflege der Kameradschaft und Geselligkeit. Im Zusammenwirken mit der weiblichen Jugend wurde wieder Theater gespielt und gewandert.

Die Jugendgruppen entfalteten bei Spiel, Gesang, Elternabenden und Wandern ihre Tätigkeit. Die „Halle“ wie schon eh und je unser Heim hieß, war von französischen Besatzern belegt. Wir mussten mit Veranstaltungen in den Kindergarten ausweichen. Als die Franzosen abgezogen waren, konnte das Jugendheim wieder ganz benützt werden.

In den Jahren zwischen 1956-1971 haben sich einige grundlegende Veränderungen allgemein in der kirchlichen Jugendarbeit, aber auch in der Jugendarbeit unserer Pfarrgemeinde vollzogen. Bis ins Jahr 1959 hatten wir immer zwei Priester zur Verfügung: Der Pfarrer, Geistlicher Rat Josef Rothenbiller, war als Präses für die Frauenjugend, die jeweiligen Kapläne als Präsides für die Mannesjugend zuständig. Aus Gründen des immer stärker werdenden Priestermangels wurde die Kaplanstelle in Muggensturm nicht mehr neu besetzt. Dies stellte für die Pfarrgemeinde, aber speziell für uns in der Jugendarbeit, eine große und tiefgreifende Veränderung dar. Die Laienverantwortlichen, Vorstandschaft und Gruppenführer mussten nun mehr Verantwortung im religiösen Bereich mit übernehmen. Aber viel mehr Verantwortung und Aufgaben kamen nun auf den schon im Alter von einundsiebzig Jahren stehenden Pfarrer Rothenbiller zu.

Wir denken heute noch mit Dankbarkeit und Hochachtung daran, wie er gesprächsbereit und aufgeschlossen, uns junge Menschen annahm und nun die Doppelfunktion als Präses der Frauen- und der Mannesjugend ausführte. Doch hatte er nicht mehr viel Zeit, denn im Spätsommer 1960 starb er im Alter von zweiundsiebzig Jahren. Während seiner Krankheit und bis zur Anweisung des neuen Pfarrers war Herr Ernst als Kaplan für die Pfarrgemeinde verantwortlich.

Ab Ende 1960 war Herr Pfarrer Naber für die Pfarrgemeinde zuständig und betreute uns als Präses. Vom 28. bis 29. Oktober 1961 fand das 50jährige Stiftungsfest des Kath. Jungmännervereins statt, bei dem der damalige Weihbischof Karl Gnädinger als Vertreter der Diözese anwesend war. Als Festredner hatte sich der Generalbundesanwalt Dr. Max Güde aus Karlsruhe zur Verfügung gestellt.

In seiner Festrede forderte er die anwesenden Jugendlichen aus den Dekanaten Ettlingen, Rastatt und Gernsbach auf, ihre Aufgabe in der Welt zu sehen, d. h. bewusst und verantwortungsvoll zu dem Leben und seinen Aufgaben „JA“ zu sagen.
Im Oktober 1966 trat Pfarrer Willi Kunzmann die Nachfolge von Pfarrer Naber an. In diesen Jahren vollzog sich innerhalb der kirchlichen Jugendarbeit auch ein struktureller Wandel. Bisher gab es immer zwei Organisationen, die Frauenjugend (Marianische Kongregation) und die Mannesjugend (Katholischer Jungmännerverein).

Nach dem Kriege hat sich in der Erziehung, im Verhalten der Geschlechter untereinander ein Prozess des partnerschaftlichen Auseinanderzugehens entwickelt. Diese Entwicklung übertrug sich auch auf die Jugendarbeit. Dies zeigte sich zunächst in gemeinsamen Führerrunden von Jungen und Mädchen in gemeinsamen Aktivitäten, die aber organisatorisch immer noch getrennt liefen. Aus diesem Prozess entwickelte sich als neue Organisationsform die sogenannte „Katholischen Junge Gemeinde“ (KJG).

In der Chronik vom Frühjahr 1963 wird zum ersten Mal von einer Regionalkonferenz der KJG (Kath. Jungmänner Gemeinschaft) in Karlsruhe berichtet.

Gottfried Melcher beantragte als Vorstand im Jahre 1964 bei der Bundesleitung die Aufnahme in die Katholische Jungmänner-Gemeinschaft.

Am 16. März 1965 wurde in einer Feierstunde die Aufnahmeurkunde an den Vorstand überreicht.

Der organisatorische Zusammenschluss der Mannes- und Frauenjugend zu einer Gemeinschaft wurde dann erst im Jahre 1971 vollzogen.

Rückblick auf Leben und Wirken
der katholischen Frauenjugend Muggensturms seit 1907

Eigentlich feiert die kath. Frauenjugend Muggensturms etwas verspätet ihr 70jähriges Jubiläum nach, da die heute in einem Verband zusammengeschlossenen Mädchen- und Jungengruppen ursprünglich nicht gleichzeitig gegründet wurden.

Wie im gesamten gesellschaftlichen und kirchlichen Leben unseres Dorfes vollzog sich auch im Leben der organisierten kath. Mädchenjugend ein gewaltiger Wandel der äußeren Form und der Schwerpunkte. (Und doch – könnte nicht auch ein im wesentlichen Tragendes und Gleichbleibendes durch all die Generationen gefunden werden?)

Was mag beim Zurückerinnern all derer, die hier in Muggensturm im Laufe der vielen Jahre einmal Mitglied der kath. weiblichen Jugend waren, wieder lebendig werden?

Nur wenige werden sich persönlich an die feierliche Gründung der Marianischen Jungfrauenkongregation am 8. Dezember 1907 unter H.H. Pfarrer Schatz erinnern. Aber sicher haben manche in späteren Jahren von den Gründerinnen davon erzählt bekommen.

Die Marianischen Kongregationen, ursprünglich in religiös stürmischer Zeit für Studenten und Männer gegründet, hatten in der gesamten Kirche des 19. Jahrhunderts einen neuen Aufschwung erlebt und waren auf alle Stände ausgedehnt worden. Beeinflusst von der allgemeinen Welle der Begeisterung für die Kongregationen und wohl auch angeregt durch das durch die Einweihung des neuen Gotteshauses neu gestärkte religiöse Leben in unserer Pfarrgemeinde, wurden bei der Gründung der Marianischen Jungfrauenkongregation 65 Mitglieder, Sodalinnen genannt, in die hiesige Kongregation aufgenommen.

Die Marianischen Kongregationen hatten sich die Pflege des religiösen Lebens in Verbindung mit der Verehrung der Gottesmutter und nach ihrem Vorbild und in lebendiger Gemeinschaft mit der Kirche zur Aufgabe gestellt. Diesem Ziel des inneren Strebens untergeordnet sind die praktischen Forderungen zu sehen, die z. B. Gebet, Exerzitien, Besuch der Versammlungen betreffend, an die Sodalen gestellt waren. Im täglichen Apostolat sollte die durch eine gesunde religiöse Erziehung gewonnene Haltung hineinwirken in Familie, Arbeitsplatz und Gemeinde.

Die geistliche Leitung der Kongregation lag in Händen der Geistlichen unserer Gemeinde, der Präsides. Zwischen Herr Pfarrer Schatz, dem Gründer der Kongregation, und unserem heutigen Seelsorger, Herrn Dekan Kunzmann, waren das: Herr Pfarrverweser Stiefel, Herr Pfarrer Dussel und unter ihm auch zeitweise Herr Kaplan Sanz, Herr Geistl. Rat Rothenbiller und während des 2. Weltkrieges Herr Pfarrvikar Kraus, Herr Pfarrer Naber. Wie viel Zeit und Arbeitskraft diese Geistlichen neben ihrer sonstigen Seelsorgearbeit bei der Leitung und Betreuung der weiblichen Jugend in unzähligen Stunden des Planens, der Besprechungen und Versammlungen, der Vorträge, Gottesdienste und Predigten, des Mitsorgens und Helfens einsetzten, können die, denen sie in entscheidenden Jahren ihres Lebens Geleit und Wegweisung gaben, nur ahnen. In diesen Tagen, da wir uns anlässlich des Jubiläums eingehender als sonst zurückerinnern, gilt ihnen aufrichtiger Dank und herzliches Gedenken.

Dem Präses, dem geistlichen Leiter, stand jeweils die Vorsteherin, die Präfektin, verantwortlich zur Seite. In zeitlicher Reihenfolge waren es: Katharina Schick (spätere Frau Dahringer), Theresia Späth (spätere Frau Schäfer), Maria Dahringer, Emma Unser (spätere Frau Grocholl), Martha Schäfer, Emmy Meicher (spätere Frau Unser).

Die Kongregationen waren nach bestimmten Satzungen eingerichtet. Es gab regelmäßig kirchliche und außerkirchliche Versammlungen. Die gewählten Mitglieder des Vorstandes hatten Verantwortung zu tragen und bei der Generalversammlung Rechenschaft abzulegen. Feierlich wurden die neuen Mitglieder, die zuvor zwei Jahre als Kandidatinnen der Gemeinschaft angehörten, jeweils am 8. Dezember, dem Titularfest „Von der Unbefleckten Empfängnis“ in die Kongregation aufgenommen. Zur Gemeinschaft gehörten im Laufe der Jahre auch die Frohschargruppen, zunächst ab dem 5. Schuljahr, später nach der Erstkommunion, also nach dem 4., bzw. 3. Schuljahr. Sie wurden durch Mädchen der MC geführt, die mit zum Vorstand der MC gehörten. Mitglieder des Vorstandes waren jeweils auch die Bezirksführerinnen der vier Bezirke, in die das Ortsgebiet eingeteilt war.

Erfüllt und lebendig wurde die Gemeinschaft durch das gemeinsame Beten, Singen, Spielen und Feiern, ganz besonders aber durch das Wirken der einzelnen Gruppen, die zumeist nach Altersstufen eingeteilt waren.

Sicherlich steigt beim Lesen dieser Zeilen bei vielen der damals Beteiligten so manche Erinnerung an gemeinsam Erlebtes wieder auf: Erinnerungen an Exerzitien, Einkehrtage und an die regelmäßigen, von den Mädchen gestalteten Gemeinschaftsmessen, Erinnerungen an Laienspiele, die teilweise auch zusammen mit der Mannesjugend eingeübt und aufgeführt wurden, an Nikolaus-, Advents- und Weihnachtsfeiern, an Elternabende, an Wallfahrten und Ausflüge, an Bernhardusfeiern auf dem „Alten Schloss“ in Baden-Baden, an Jugendbekenntnissonntage, an Bastel- und Gymnastikstunden, an das Nähen in der Paramentengruppe, an Fastnachtsfreuden der einzelnen Gruppen und an die Fastnachtsabende der gesamten kath. Jugend mit besonders eingeübten Tänzen; Erinnerungen auch an so manchen Einsatz beim Gestalten von kirchlichen Festen, z. B. Weihnachtssingen bei den Kranken, Schmücken des Maialtars, Zieren an Fronleichnam und bei besonderen kirchlichen Ereignissen, wie Jubiläen und Primizen. Eine ganz wichtige Voraussetzung für die Arbeit der Gemeinschaft war die unter Herrn Pfarrer Dussel erbaute Bernhardushalle, heute zum Pfarrheim aus- und umgestaltet, die der Jugend Möglichkeiten des Zusammenseins und Feierns bot, nachdem zuvor die Veranstaltungen in Gasthaussälen und im Schwesternhaus stattfinden mussten.

Der längste und politisch schwierigste Zeitabschnitt im Leben der Marianischen Kongregation Muggensturms war sicherlich der unter der Leitung von Fräulein Maria Dahringer, die von 1929 bis 1950 Präfektin war.

Das in den zwanziger Jahren stark aufgeblühte Leben der Gruppen wurde durch den Druck der Nazizeit eingeschränkt und durch Verbote, wie z. B. durch Verbote von Bannern, von gemeinsamen Ausflügen und öffentlichen Theateraufführungen, getroffen. Auch die Schüler der Frohscharen waren benachteiligt, wenn sie nicht in der Staatsjugend waren. Da Fräulein Dahringer sich weigerte, die Mädchen zum Eintritt in den BDM aufzufordern, erfuhr sie auch persönlichen Druck wegen „aufrührerischer Arbeit gegen die Staatsgewalt“. Aber durch den äußeren Zwang wurden Einsatzbereitschaft und Zusammenhalt verstärkt und das Leben der Gruppen intensiver. Schwierig war neben der allgemeinen Not und Sorge, die der Krieg mit sich brachte, die Raumfrage für die Zusammenkünfte der Gruppen, da die Bernhardushalle ständig besetzt war, zunächst von deutschen Soldaten, später während der Besatzungszeit von Marokkanern. Die Wohnungen der Mädchen und die Lourdesgrotte waren notwendige Ausweichstellen. Die Feier des 40jährigen Jubiläums, die im „Badischen Hof“ stattfinden sollte, wurde zunächst von der französischen Besatzungsbehörde verboten und erst auf persönliche Vorsprache von Herrn Pfarrer Rothenbiller hin schließlich doch genehmigt.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde in der gesamten Diözese das Leben der Kath. Frauenjugend neu aufgebaut und durch Organisation, Schulung und Betreuung neu belebt. Die Bedeutung der Marianischen Kongregationen, die unter Pius XII. in ihren Forderungen wieder straffer wurden, ging zahlenmäßig allgemein zurück. In unserer Pfarrgemeinde waren in den folgenden Jahren die Gruppen der Marianischen Kongregation praktisch gleichzeitig Gruppen der Frauenjugend. Die Mädchen und Führerinnen waren im Dekanat und in der Diözese mit auf Schulungen und Tagungen, lebten aber auch noch in der Tradition der Marianischen Kongregation mit feierlichen Aufnahmen und Gelübden. Im Rahmen der gesamten Gemeinschaft entfaltete sich das Leben der einzelnen Mädchen- und Frohschargruppen. Wie oben erwähnt, waren sie aktiv in das Geschehen in der Pfarrgemeinde einbezogen, im Jahreskreis der kirchlichen Feste und bei besonderen Anlässen. Die Zusammenarbeit von Jüngeren und Älteren hat im Laufe der Jahre oft gegenseitig Anregung, Hilfe und Stütze bedeutet. Nun wurde, dem Zug der Zeit entsprechend, stärker das Verlangen der Jüngeren nach Selbständigkeit spürbar. Sie lösten sich 1963 in der praktischen Arbeit von den Älteren los. Diese bildeten eine eigene Gruppe innerhalb der Kongregation. Bis 1966 fanden noch feierliche Aufnahmen in die Marianische Kongregation statt. Heute sind die Älteren der Kongregation lose den „Gemeinschaften Christlichen Lebens“ angeschlossen, die erneuert und weltweit organisiert, in kleinen Gruppen von Familien und Alleinstehenden gemeinsam das Erbe der Marianischen Kongregation weitertragen.

Katholische Junge Gemeinde

Im Jahre 1966 diskutierte man über den Neubau eines Pfarrheimes in Muggensturm. Mit Pfarrer Willi Kunzmann trat in Muggensturm zugleich ein Priester sein Amt an, der es verstand, mit der Jugend umzugehen. Mit der Einweihung des neuen Pfarrheimes am 8. Oktober 1967 boten sich für die kirchliche Jugendarbeit neue Möglichkeiten. Die Räumlichkeiten des Pfarrheimes und Engagement der Verantwortlichen waren wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Jugendarbeit.

Die „Katholische Frauenjugend-Gemeinschaft“ (KFG) und die „Katholische Jungmänner-Gemeinschaft“ (KJG) gehörten dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) an, der 1947 als Zusammenschluss aller katholischen Jugendverbände gegründet wurde.

Auf Bundesebene schlossen sich 1969 die Kath. Frauenjugend-Gemeinschaft und Kath. Jungmänner-Gemeinschaft zu einem Verband zusammen, der 1970 den gemeinsamen Namen „Katholische Junge Gemeinde“ erhielt. In Muggensturm vollzog sich der Zusammenschluss zur Kath. Jungen Gemeinde (KJG) 1971. Klaus Schnepf und Hildegard Unser wurden bei der Gründungsversammlung zum Vereinsvorstand gewählt.
Das vielseitige Freizeitangebot der KJG fand bei den Muggensturmer Kindern und Jugendlichen seine Interessenten. Der Treff 72, 1972 vom Schuljahrgang 1957 gegründet, und die 1975 wieder neu gegründete Tischtennisabteilung bereicherten das KJG-Programm. Das „Treff-72-Klubkino“ die Teestube und Diskoveranstaltungen sind heute feste Bestandteile der offenen Jugendarbeit der KJG. Die Tischtennisabteilurig zählt heute über 80 Mitglieder und unterhält ihren Spielbetrieb seit der Einweihung der Wolf-Eberstein-Halle in der Schulturnhalle.

Nach dem Rücktritt von Klaus Schnepf und Hildegard Unser übernahmen Edmund Strößer und Susanne Späth bei der Generalversammlung 1978 das Vorstandsamt. 1981 löste Willi Großmann den männlichen Vorstand ab. Das traditionelle Sternsingen, Fastnachtsbälle, Einkehr- und Bekenntnistage, Jugendgottesdienste, Ferienlager, Hüttenaufenthalte und Elternabende sind neben den wöchentlichen Gruppenstunden feste Bestandteile des KJG-Jahresprogramms. Die KJG und ihre Aktivitäten sind aus Muggensturm nicht mehr wegzudenken, das Pfarrheim ist längst zum Treffpunkt der Jugend geworden und hat der Gemeindeverwaltung die Auseinandersetzungen um den Bau eines Jugendzentrums so gut wie erspart.

In der Katholischen Jungen Gemeinde ergreift die Jugend selbst die Initiative. Die Gruppe ist der Ort des gemeinsamen Erlebens und des gemeinsamen Lebens. Die Orientierung bietet die Botschaft Jesu Christi.